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Zu Besuch bei Ma Betty

Die Hütte des Vereins

Den Tipp bekamen wir vom Tourismusbüro in Oudtshoorn. Wenn ihr das Leben in den Townships und die Kultur der Menschen dort verstehen wollt, geht zu Ma Betty. Man drückte uns noch einen kleinen Flyer mit einer Telefonnummer in die Hand – wir sollen die Dame anrufen. „Ja – natürlich könnt ihr kommen“, hieß es wenig später am anderen Ende der Leitung. Im Hintergrund nörgelte ein Kind – eines ihrer zahlreichen Urenkel, wie wir später erfuhren.

Wir treffen uns in der Hütte des Vereins, dem Ma Betty vorsteht. Hier versammeln sich mehrmals pro Woche Frauen aus den Townships. Sie fertigen gemeinsam kunstvoll gestaltete Gegenstände, die an Touristen verkauft werden. Sie leben ihre Kultur in gemeinsamen Tänzen, die zu bestimmten Events aufgeführt werden, und sie kochen gemeinsam, um andere an ihren traditionell zubereiteten, schmackhaften Speisen teilhaben zu lassen. Die Frauen mussten sogar für einige Stunden die Schulbank drücken, damit sie lernen, wie man unterschreibt.

Bettys Hilfe zur Selbsthilfe hat uns beeindruckt. Ihre 72 Jahre sieht man der Grand Mama nicht an. Sie möchte hundert werden, weil es noch so viel zu tun gibt, sagt die rüstige Frau. Sie plaudert aus ihrem Leben, über die Traditionen der Xhosa, deren Stamm sie angehört. Betty ist stolz auf Nelson Mandela, der ebenfalls den Xhosa entstammt. Wir reden über Apartheid und die Zeit danach. Vieles ist besser geworden, aber es geht alles sehr langsam. Die alte Dame hat Verständnis dafür. Schließlich erzählt sie von ihrer Familie, ihren fünf Kindern und den zahlreichen Enkeln. Eine ihrer Töchter hat einen Zulu geheiratet. Zulus haben traditionell mehrere Frauen, aber dieser sei wohl ihrer Tochter treu… Wir sprechen über unsere Familie, über Deutschland, die Wende, über Leipzig und die Arbeit zu Hause. Die Stunden vergehen wie im Flug.

"Mandela-Häuser" in den Townships

Schließlich lädt uns Betty noch zu einer Rundfahrt durch die Townships ein. Wir sind beeindruckt über die Stadt neben der Stadt. Auch in den Townships gibt es Arme und Reiche. Es gibt Blechhütten, Bretterbuden, aber auch zahlreiche Steinhäuser, neu gebaut oder frisch renoviert. Der Staat unterstützt die Leute. Für ein kleines Haus mit zwei Zimmern und einem Sanitärtrakt zahlt eine Familie umgerechnet rund 8 Euro Pacht pro Monat. Leider ist auch das für manche noch unerschwinglich. Die Townships haben eine komplett eigene Infrastruktur; es gibt Kindergärten, Schulen, Geschäfte, Bars, ein Rathaus und eine Polizeistation.

Oft grüßen die Leute zu unserem Wagen: Betty ist bekannt und wird geachtet. Vielen ist klar, dass das was sie tut, der richtige Weg für ein besseres Leben ist – auch wenn es noch lange dauern wird.
Zum Abschied spenden wir etwas Geld und ein paar Dinge für die ganz Armen. Wir wissen, dass es bei Betty in guten Händen ist, und wir haben ihr versprochen, vielen Menschen von ihrem unermüdlichen Engagement zu erzählen. Vielleicht kommt bald der nächste Spender.

Abschiedsfoto

Weitere Informationen unter www.mabettys.co.za

Bilder zum Artikel sind hier zu finden…

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