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Von den Bergen in die Großstadt

In der Ferne erhebt sich das Drakensbergmassiv wie in einem großen Amphitheater...

Wir kommen nicht los von den Drakensbergen. Nachdem die Sanipassabfahrt gemeistert war, gönnen wir dem Nissan eine kurze Verschnaufpause, bevor er wieder die Berge erklimmen muss. Am Albert Dam bei Pietermaritzburg treffen wir erneut Peter und Gabi. Nach einem gemütlichen Abend brechen wir zum Royal Natal Nationalpark auf. Wir passieren den Felsen des Cathedral Peak und steuern diesmal auf südafrikanischer Seite den Hauptkamm des Drakensbergmassivs an. Vor uns eröffnet sich ein fantastisches Panorama. Einige zum Teil anstrengende Wanderungen führen uns hinauf in die Berge. So besuchen wir den zweithöchsten Wasserfall der Erde. Fast eintausend Meter stürzt das Wasser in die Tiefe. Leider ist es, trotz der vergangenen Regenzeit, nur ein Rinnsal.

Der Empfehlung unserer Schweizer Freunde folgend besuchen wir den Golden Gate Nationalpark. Zwischen bizarren Sandsteinformationen schlagen wir unser Lager auf. Wieder geht es steil bergauf, um die interessante Felslandschaft zu erkunden. Wir klettern durch eine Steinrinne, durch die kaum Tageslicht fällt; dafür hören wir umso besser unsere eigenen Echos. Mit etwas Wehmut verabschieden wir uns von den Bergen, die uns fast sechs Wochen unserer Reise begleitet hatten. Umso erstaunter sind wir in Johannesburg als wir sehen, dass die Stadt noch über 1700 Meter über dem Meeresspiegel liegt.

Tom und Eva hatten wir in Malawi kennen gelernt. Damals brachten sie Thüringer Rostbratwürste mit an den See. Wir besuchen beide in Johannesburg, wo sie etwas außerhalb der Stadt mitten im Grünen wohnen. Auf dem Abendbrottisch steht Bautzener Senf. Eva erklärt, dass sie den im Spezialitätengeschäft um die Ecke hat kaufen können. Jörgs Freude war so groß, dass er in den drei Tagen unseres Besuchs den halben Becher geleert hat.
Da wir nur noch wenige Tage zur Verfügung haben bis unser Visum für Südafrika ausläuft, ist das Sightseeing Programm in Joburg straff. Routiniert steuert Tom seinen Golf vom Norden nach Süden der Stadt und zurück von Soweto bis Pretoria. Eva sitzt im Fond und navigiert mit Maps. Wir sind froh, dass wir nicht selbst fahren müssen – das Pensum hätten wir in der kurzen Zeit nie geschafft. So besuchen wir die Brauerei, deren Bier wir seit fast einem Jahr trinken. Neue Sorten stehen zur Verkostung und wir beschließen, künftig etwas Abwechslung in unseren Getränkeeinkauf zu bringen.

Die imposante Nelson-Mandela-Bridge führt direkt zur Skyline in Johannesburg.

Weiter geht es zum Apartheid-Museum. Babsi hat ein Ticket für Weiße, Jörg für Schwarze; entsprechend getrennt sind die Eingänge. An dem Nachmittag, der uns zur Verfügung steht, schaffen wir die knappe Hälfte der Ausstellung. Tief beeindruckt von dem, was wir dort gesehen und gelernt haben starten wir am nächsten Morgen nach Soweto. Unsere bisherige Vorstellung von dem Ort als Blechbudenvorstadt im Süden von Johannesburg müssen wir schnell revidieren: Uns empfängt eine gepflegte und aufgeräumte Stadt mit so manch stattlicher Villa. Tom macht uns auf Unebenheiten im Asphalt aufmerksam. Hier wurden vor langer Zeit Barrikaden angezündet.
Zügig geht unsere Stadtrundfahrt weiter. Ein Förderkorb bringt uns in die Tiefen der einst größten Goldmine Südafrikas. Bis 1977 war das Bergwerk in Betrieb. Ein Großteil der alten Anlagen ist noch erhalten, die Wohngebäude der Minenchefs sind liebevoll saniert und als Museum zugänglich. Rund um den Schacht, der bis in 3 Kilometer Tiefe getrieben wurde, kann man sich heute auf dem Riesenrad und einer Achterbahn vergnügen. Die harte Arbeit der „Miners“ ist nur noch auf Bildern zu erahnen. Interessant war es für uns zu erfahren, dass in fast allen aufgegebenen Minen rund um Johannesburg noch immer Betrieb herrscht. Kriminelle fahren zum Teil für Wochen in die alten Schächte, um die letzten Reste Gold aus der Erde zu holen. Dabei werden die Minen mit Waffengewalt gegenüber der Konkurrenz „verteidigt“. Legal dagegen ist das Abbaggern der großen Abraumhalden. Dank neuer Technologien wird aus dem Sand, der früher beiseite geschafft wurde, heute immer noch eine beträchtliche Menge Gold ausgewaschen.

Wir jagen zum Regierungsviertel nach Pretoria. Ein schöner Park säumt den Amtssitz des Südafrikanischen Präsidenten. Mittendrin steht Nelson Mandela, fast zehn Meter hoch in Bronze gegossen. Per Schild ist das Berühren des Monuments verboten. Ein blank geputzter Schuh zeugt jedoch davon, dass Viele die Ikone gern anfassen möchten. Verständlich!

ein paar nette Worte für das Gästebuch mit Grüßen vom Völkerschlachtdenkmal in Leipzig

Unser Kurzbesuch bei Tom und Eva endet mit einem Feuerwerk an Eindrücken.
So stehen wir mit offenen Mündern plötzlich vor dem „halben“ Völkerschlachtdenkmal zu Leipzig. Weithin sichtbar erhebt sich das 1949 eingeweihte Voortrekker-Monument über Pretotria. Der Fuß des Denkmals sieht dem Leipziger Bau täuschend ähnlich, ebenso wie die Halle im Inneren des Gebäudes. Lediglich der obere Aufbau mit den Figuren fehlt. Beim Studium der Literatur stellt sich dann auch heraus, dass der Architekt Gerard Moerdijk seinen Entwurf stark an das Leipziger Monument angelehnt hat. Wir schreiben einen netten Gruß ins Gästebuch.

Zum letzten Abendessen laden uns Tom und Eva ins Montecasino ein. Essen in der Spielhölle, denken wir und werden eines Besseren belehrt. Unmittelbar nach der strengen Einlasskontrolle stehen wir inmitten einer italienischen Kleinstadt. Lebensecht sind Märkte, quirlige Geschäfte und gemütliche Gaststätten nachgebaut worden. Lange schlendern wir durch die Gassen, bis wir uns für ein Fischrestaurant entscheiden. Auf der Piazza flanieren die Leute vorbei; Italien inmitten von Südafrika.

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