Superlative

Superlative

Wir sitzen in einem roten Doppelstockbus von Sightseeing City Tours. Die Sonne brennt auf dem Freisitz. Gemütlich lassen wir uns durch Kapstadt chauffieren. Zum dritten Mal sind wir in der Stadt, fühlen uns fast schon wie zu Hause. Viele Ecken kennen wir dennoch nicht oder nur flüchtig. Und so erfahren wir im Bus vieles über die Stadt der Superlative. So gehört zum Beispiel der Tafelberg zu den sieben neuen Weltwundern, für uns Grund genug, den Berg zu besteigen. Zwar führt auch eine gemütliche Seilbahn nach oben, doch dort stehen Menschenmassen in einer schier endlosen Schlange. Am Ende brauchen wir zu Fuß nicht viel länger als die Leute, die sich angestellt haben.

Das Aquarium am Hafen soll neben dem in Sydney zum Schönsten der Welt zählen. Nun haben wir zugegebenermaßen noch keinen Vergleich mit der australischen Meeresshow. Was wir in Kapstadt sehen, verschlägt uns jedoch die Sprache. Die Ausstellung zeigt Meerestiere der Kaltwasser- und Warmwasserregionen. Beide Spezies kommen in Südafrika vor. Nach dem Bummel durch das Pinguinland gelangen wir zum Fischtunnel. Hier laufen wir unter einem riesigen Aquarienbecken hindurch. Haie, Rochen und andere, beeindruckend große, Meerestiere schwimmen hautnah an uns vorbei. Mutige Besucher können mit einem Guide in das Becken hinab tauchen und so mit den Tieren gemeinsam schwimmen.

Wir sind auf der Rückseite des Tafelberges unterwegs. Üppiges Grün beherrscht diese Gegend um Kirstenbosch und Constantia. Das Gebiet ist von den großen Bränden im vergangenen Jahr verschont geblieben. In Groot Constantia, dem ältesten Weingut Afrikas, verkosten wir die edlen Tropfen. Am besten schmeckt uns ein Pinotage, der Rotwein von einer heimischen Traube. Das gute Getränk ist jedoch nicht ganz billig, sodass wir uns letztlich für einen Sauvignon Blanc zum Mitnehmen entscheiden. Übrigens bezog auch Napoleon während der Zeit seiner Verbannung die Weine von Groot Constatia. Kuschelknast gab es schon damals.

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Für einen ausgedehnten Spaziergang durch den Botanischen Garten in Kirstenbosch ist es nach der Weinprobe zu spät, nicht jedoch für ein Kulturerlebnis in dem Pflanzengarten. Zwei Bands begleiten uns in den sonntäglichen Sonnenuntergang. Während zu Beginn The Plastics guten handgemachten Gitarrenrock spielen, der an Billy Idol erinnert, sind im zweiten Teil der Veranstaltung die rund tausend Gäste völlig aus dem Häuschen. Shortstraw ist wohl eine der zurzeit angesagtesten Bands in Südafrika. Entsprechend gut ist die Musik und entsprechend lautstark wird die Gruppe gefeiert. Unseren Rundgang durch die Pflanzenausstellung im Botanischen Garten, der zum Weltnaturerbe gehört, holen wir am nächsten Tag nach.

Im Flur des Mariner’s Warf in Hout Bay hängt eine Tafel mit den zehn besten Fischrestaurants der Welt. Die Gaststätte zählt dazu. Gespannt betreten wir das Gebäude. Die Kellner bedienen in Matrosenuniform, einige der Gasträume sind den Offiziersmessen auf Schiffen nachempfunden. Und der kredenzte Fisch ist ein Gaumenschmaus erster Klasse. Dazu halten sich die Preise in erschwinglichem Rahmen. „Oen for a Memorable Breakfast, Lunch or Dinner“ steht auf der Visitenkarte – so wird es sein.

Szenenwechsel: Auf der Ostseite der Kaphalbinsel fühlen wir uns plötzlich nach Kuba versetzt. Es wird ein guter Mojito gereicht und zu kubanischer Musik werden Spezialitäten von der Atlantikinsel serviert. Wir sitzen im Cape to Cuba, einem Restaurant in Kalk Bay. Vom Freisitz haben wir einen überwältigenden Blick über die False Bay. Peter hatte uns im vergangenen Jahr den Tipp für die Gaststätte gegeben, und wir müssen sagen, die Empfehlung war sehr gut.

Unser Schneckenhaus haben wir, wie im vergangenen Jahr, auf dem Campingplatz von Noordhoek abgesetzt. Zum Wochenende füllt sich das Camp schlagartig. Nun sind wir Einiges gewohnt, was die Feierlaune der Südafrikaner an diesen Tagen angeht. Was der Sache völlig widerspricht ist, dass der Campingplatz am Samstagabend gegen acht absolut ruhig ist. Der Grund ist schnell gefunden: Etliche Camper sind Teilnehmer der Cape Town Cycle Tour, einem Radrennen, das jährlich im März rund um die Kaphalbinsel stattfindet. Da die Veranstaltung sehr früh beginnt, wollen die Athleten sich noch etwas ausruhen und gehen zeitig schlafen. In einem Zelt sehen wir doch noch Licht: Ein offensichtlicher Teilnehmer des Rennens posiert in gleißendem Lampenschein für ein Foto. Anschließend rasiert er sich sämtliche Haare von den nackten Beinen. Wir hoffen, dass er mit dieser Aktion Anschluss an die Spitzengruppe halten kann.

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Auch wir sind wieder aktiv. Unzählige Wanderwege durchziehen den Table Mountain Nationalpark. Nach der Besteigung des Lions Head lassen wir es bei der zweiten Tour etwas gemütlicher angehen. Ein Rundweg führt durch das Gebiet des Silvermine River auf der Rückseite des Tafelberges. Wir werden mit spektakulären Ausblicken über die Kaphalbinsel belohnt. Im vergangenen Jahr war dieser gesamte Abschnitt des Nationalparks noch wegen Feuers gesperrt. Heute, fast ein Jahr nach dem verheerenden Brand, lugt frisches Grün aus dem Asche getränktem Boden. Bis die ursprüngliche Fynbos-Vegetation wieder hergestellt ist, werden wohl noch viele Jahre vergehen.

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