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Durch Namibias Süden

Das wohl meist fotografierte Objekt am Fish River – die Flussschleife.

Es war nur eine Frage der Zeit, bis jemand unser „falsches“ Nummernschild am Auto moniert. Ein Polizist bemerkte bei unserer Ausreise aus Südafrika, dass mit unserem Auto irgendetwas nicht stimmte. Etwas aufgebracht erklärte er uns, dass das bunte Schild mit dem Oryx ein Hoheitszeichen der Provinz Northern Cape sei. Wir gelobten Besserung und tauschten die Autonummer wieder gegen unsere Deutsche aus. Entsprechend streng fiel die Grenzkontrolle aus. Das südafrikanische Nummernschild durften wir allerdings behalten.

Wir sind zurück in Namibia und auf dem Weg zum Fish River Canyon. Das rund 170 Kilometer lange Tal ist nach dem Grand Canyon die zweitgrößte Schlucht auf unserem Planeten. Die Schotterstraße dorthin ist sehr schlecht. Wir lassen Luft von den Reifen. Ein cleverer Tankwart in der Kalahari gab uns den Tipp und gleich noch die richtigen Luftdruckwerte für unseren Wagen. Mit 70 km/h und halbplatten Pneus nehmen wir die Wellblechpiste.

Ai Ais ist ein kleines Feriendorf am südlichen Ende des Fish River Canyons. Hier treten einige heiße Quellen aus der Erde. In einem großen Badebecken ist das zunächst 65 Grad heiße Wasser auf Wohlfühltemperatur heruntergekühlt. Wir sammeln unsere Wohnungseinrichtung von der Holperfahrt wieder ein. Anschließend werden wir vom warmen Bad mit fantastischem Blick auf die umliegenden Berge entschädigt. Auch für Action ist gesorgt. In der Nachbarschaft mischt eine Herde Paviane einige Grillpartys auf.

Die berühmte Flussschleife des Fish Rivers liegt etwa in der Mitte des Canyons. Die Staubwolke auf der Zufahrtsstraße legt sich nicht, weil viele Leute zum Aussichtpunkt über der Talwindung fahren. In der Nähe starten die geführten Wanderungen durch die Schlucht. Auch wir gehen wandern, allerdings nicht im Tal sondern an der rund 500 Meter hohen Abbruchkante entlang. Es bieten sich atemberaubende Ausblicke, einer schöner als der andere. Die berühmte Flussschleife war da nur ein Anfang… Eine kurze Autofahrt führt uns zum Canyon Road House. Die kultige Oldtimer-Garage ist eine gepflegte Übernachtungsstätte mit ausgezeichneter Küche. Neben dem Schreibtisch des Chefs sitzt eine afrikanische Wildkatze, die den Stress der Wilderei aufgegeben hat und nun den Annehmlichkeiten der Herberge frönt.

Die Rezeption im Canyon Roadhouse ist auf der Ladefläche eines alten LKW untergebracht

Wir folgen dem Fish, wie der Fluss umgangssprachlich genannt wird, nach Norden. Kurz nach Seeheim haben wir wieder Asphalt unter den Rädern. Der Ort besteht lediglich aus einem Hotel und einem Bahnhof. Der Ortsname ist in Anlehnung an die hessische Heimat des Hotelerbauers entstanden. Wer in dem Gästehaus übernachtet, hat sich uns nicht erschlossen. Rund um die Herberge gibt es außer ein paar Felsen und Sträuchern nichts.

Wir verlassen das Tal des Fish River und fahren nach Westen. Kurz hinter dem Örtchen Aus passieren wir das Tor zur Namib Wüste. Wir sind beeindruckt von der Landschaft. Felsen und Sand bestimmen das Bild. Die Farbtöne wechseln zwischen kräftigem Rot, Gelb sowie sanftem Rosa und Orange. Wildpferde begleiten uns ein Stück des Weges. In Lüderitz ist die Temperatur von 30 auf 18 Grad abgestürzt. Wir schlendern durch die Stadt und besichtigen die liebevoll restaurierten Häuser. Vieles erinnert noch an die deutschen Wurzeln des Ortes. Am Diaz Point lassen wir uns vom Wind durchblasen. Hier suchte 1488 der portugiesische Seefahrer Bartolomeu Dias Zuflucht vor einem Unwetter und errichtete ein Steinkreuz.

Heute bestimmen Goldsucher das Bild in der Wüste. Außer dem Ort Lüderitz ist der gesamte Küstenstreifen Diamant – Sperrgebiet. An die Anfänge des Diamantenabbaus erinnert die Geisterstadt Kolmannskuppe. Wir besichtigen die zerfallenden Häuser. Langsam nimmt die Wüste wieder Besitz von den Ruinen der einstigen Bergbaumetropole. Der Ort zieht uns in seinen Bann. Wir kämpfen uns durch die Sanddünen in den ehemaligen Wohn- und Schlafzimmern und stellen uns vor, wie das Leben vor nicht mal 100 Jahren hier gewesen sein mag.

Geisterstadt Kolmannskuppe

Am Abend bekommen wir die Dachfenster vom WoMo nicht mehr auf. Staub und salziger Küstennebel wirken besser als jeder Kleber. Wir schauen auf das Thermometer und beschließen angesichts der 7 Grad an dem Fenster nicht mehr zu rütteln. Der Winter hat endgültig Einzug gehalten. Trotzdem wird es Zeit, dass unser zu Hause eine gründliche Dusche bekommt.

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